Hier finden Sie interessante Beiträge zu den Themenschwerpunkten meiner Arbeit. 

Lass uns eine Brücke bauen

Brücken sind erstaunliche Bauwerke. Immer wieder bin ich fasziniert von ihrer Tragkraft. In der Praxis zeichne ich gerne eine Brücke als Veranschaulichung einer Beziehung - sozusagen eine "Beziehungsbrücke". In jede der zwei Säulen kommt ein Name des Partners. Verbunden werden die beiden Säulen mit einer Brücke, dem "WIR". Darüber fahren mehrere Autos.
In der Paartherapie richte ich meinen Blick auf drei wesentliche Aspekte: Auf die Stabilität der Säulen und den Zustand der Brücke. 
Stellen Sie sich eine stabile Brücke auf ein oder zwei bröckeligen oder in Schieflage geratenen Säulen vor. Die Brücke wird zwangsweise kaputt gehen. Das ist Fakt. Es wäre also ziellos nur an dem "WIR" zu arbeiten, wenn die Säulen sprich die Partner aus dem Gleichgewicht geraten sind.

An dieser Stelle möchte ich gerne eine kleine Geschichte erzählen:
Ein junges Paar (Vanessa und Tim) lernten sich vor zehn Jahren kennen. Damals führten die beiden ein ganz anderes Leben als heute. Vanessa hatte ein eigenes Pferd und verbrachte in ihrer Freizeit regelmäßig Zeit im Stall. Dort hatte sie auch eine kleine Gemeinschaft mit denen sie regelmäßig feiern ging. Nach einem erfolgreich abgeschlossenem Studium erhielt sie ihren Traumjob mit vielen spannenden Projekten. Ihr Partner Tim ging täglich ins Fitnessstudio. Es war seine Leidenschaft den Körper zu Formen. Außerdem achtete er sehr auf einen gesunden Lebensstil. Ansonsten traf er sich oft mit seinen Freunden und zog regelmäßig um die Häuser. Mit einem befreundeten Pärchen reisten die beiden um die Welt. Auch regelmäßige Spieleabende mit Freunden standen auf dem Plan. 
Dies änderte sich allerdings. Die beiden kauften einen alten Bauernhof, sodass Vanessa ihr Pferd nun direkt vor der Tür stehen hat. Das alte Haus muss aber ständig renoviert und saniert werden und kostet somit viel Zeit. Seitdem die Zwillinge (4 Jahre) auf der Welt sind, ist nichts mehr wie es einmal war. Vanessas Tag sieht nun folgender Maßen aus: früh aufstehen um bereits die ersten Hausarbeiten zu erledigen, schnell einen Kaffee zu trinken, das Frühstück und die Lunchboxen für die Kinder vorbereiten, die Kinder wecken, Streit schlichten, die Kinder anziehen, sich selbst anziehen, die Kinder in die Kita fahren, zur Arbeit hetzen, zu spät zum Meeting kommen, nur noch kleine und langweilige Aufgaben erfüllen (da nur Teilzeit), zur Kita hetzen, mit den Kindern zum Kinderturnen fahren, mit übermüdeten Kindern einkaufen fahren, das Pferd versorgen (wobei für das Reiten kaum mehr Zeit bleibt), den Haushalt weitermachen, kochen, die Kinder baden und schlafen legen (was meist über eine Stunde dauert), selber etwas essen und letzlich müde auf die Couch fallen. Tim muss früh zur Arbeit. Da er befördert wurde, hat er nun mehr Verantwortung und darf länger arbeiten. Meistens kommt er erst gegen 20 Uhr nach Hause, wenn die Kinder bereits schlafen. Für Hobbies hat er keine Zeit mehr. Gegen 21 Uhr sitzen beide dann erschöpft auf der Couch. Oft beschwert sich Vanessa, dass sie den Haushalt ganz alleine erledigen muss, was zu häufigen Streitereien führt. Zweisamkeit und lustige Spieleabende mit Freunden gibt es nur noch selten. Wann sie das letzte Mal zusammen gelacht oder sich über ein spannendes Thema unterhalten haben, wissen Sie nicht mehr. Zu lange ist es her. 
Auf die Frage hin, ob das Paar sich vorstellen könnte einmal pro Woche einen gemeinsamen Abend zusammen zu verbringen, schüttelten beide den Kopf. Das könnten Sie nicht planen wegen der Kinder und der Arbeit. Vielleicht ginge es einmal im Monat. 
Aber so kann es nicht werden mit einer guten Beziehung beziehungsweise einer stabilen Brücke. Eine tragfähige und widerstandsfähige Brücke benötigt Zuwendung. 
Natürlich läuft eine Beziehung häufig nach der Geburt der Kinder, Hochzeit und Hausbau nicht mehr wie am Anfang. Hier stehen die Paare vor großen Herausforderungen, welche viele Tränen kosten können.
Aber es lohnt sich durchzuhalten. Es müssen Prioritäten gesetzt werden und jeder Partner muss vorallem auch auf seine eigene Säule achten. Denn bleibt diese stabil und in Balance, so kann auch die Brücke, das WIR, tragfähig und zuverlässig sein. Eine Beziehung braucht Beachtung und Pflege. Ohne Wartungs- und Ausbesserungsarbeiten bleibt selbst die zu Beginn widerstandsfähigste Brücke auf Dauer nicht stabil. 

Was also ist zu tun? Sorgen Sie als erstes für sich selbst. Was macht Ihnen Spaß? Was brauchen Sie um zufrieden und glücklich zu leben? Verbringen Sie mindestens 30 Minuten zu zweit - ohne Smartphone, Laptop oder Fernseher. Suchen Sie sich ein gemeinsames Hobby oder schauen Sie abends einfach gemeinsam in die Flammen eines Lagerfeuers. Es müssen keine große Unternehmungen sein. Die kleinen regelmäßigen Dinge sind wesentlich effektiver.